„Was trägt uns, wenn der Druck steigt“

09.06.2026

Wenn eine Fußball-WM beginnt, kommt man an bestimmten Diskussionen kaum vorbei – selbst dann nicht, wenn man das sportliche Geschehen nur am Rande verfolgt.

Im Mittelpunkt steht dabei häufig Bundestrainer Julian Nagelsmann. Kürzlich las ich über ihn den Satz: „Unter Druck ist er am besten.“

Dieser Gedanke hat mich beschäftigt. Nicht aufgrund seiner sportlichen Bewertung, sondern wegen der Frage, die dahintersteht: Was zeigt sich bei Menschen, wenn der Druck steigt?

Druck genießt gemeinhin keinen guten Ruf. Wir sprechen über Belastung, Überforderung und Stress – und das nicht ohne Grund. Dauerhafter Druck macht uns nicht stärker. Er kann erschöpfen, unseren Blick verengen und uns beeinflussen, wie wir Entscheidungen treffen und mit anderen Menschen umgehen.

Gleichzeitig gibt es Persönlichkeiten, die gerade in anspruchsvollen Situationen besondere Klarheit entwickeln und sogar fokussierter agieren. Nicht, weil sie keinen Druck verspüren, sondern weil sie gelernt haben, unter Druck bei sich zu bleiben.

Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Punkt. Häufig beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Menschen unter Druck reagieren. Die wichtigere Frage scheint mir jedoch zu sein, worauf sie in solchen Momenten zurückgreifen können.

Denn das entscheidet sich nicht erst in dem Moment, in dem der Druck entsteht. Es entsteht lange vorher: durch Erfahrungen, durch Entscheidungen, durch Beziehungen und durch die eigene Haltung.

Im Führungsalltag sind solche Situationen selten so sichtbar wie im Profisport. Dennoch begegnen sie uns regelmäßig: wenn Projekte ins Stocken geraten, Erwartungen auseinanderlaufen oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen schwierige Entscheidungen erforderlich machen. Gerade in diesen Phasen zeigt sich, worauf Führung tatsächlich basiert. Nicht auf Gewissheit, sondern auf der Bereitschaft, auch unter herausfordernden Bedingungen Verantwortung zu übernehmen.

Klarheit, Vertrauen und tragfähige Beziehungen nehmen den Druck dabei nicht weg. Sie entscheiden jedoch maßgeblich darüber, ob und wie wir unter Druck handlungsfähig bleiben.

Mein Gedanke:

Druck zeigt nicht nur, wie belastbar wir sind. Er macht auch sichtbar, was uns in den entscheidenden Momenten Halt gibt – und was uns auf unserem Weg geprägt hat.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie auch in herausfordernden Situationen Zugang zu dem behalten, was Ihnen Klarheit, Zuversicht und Handlungsfähigkeit verleiht.

Herzlich

Ihre

Sandra Günther