Perspektivwechsel Feedbackkultur đź’­

07.03.2024

Wir alle kennen Situationen, in denen ein falsches Wort, eine falsche Mimik oder Gestik bei unserem Gegenüber oder auch bei uns selbst Verunsicherung hervorruft. Das hat noch nicht einmal etwas mit dem Grad der Sensibilität eines Menschen zu tun. Niemand fühlt sich – rein intrinsisch – gerne kritisiert, weder im privaten noch im beruflichen Umfeld. Selbst wenn Kritik mitunter das Potenzial eines Feedbacks hat – an sich die „konstruktive und faire Art der Kritik“ – hinterlässt sie zunächst erstmal ein unangenehmes Gefühl. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Mitarbeitende auf Kritik oder Feedback zunächst einmal nicht positiv reagieren, das Feedback womöglich nicht nachvollziehen können oder annehmen und sich sofort rechtfertigen wollen, ohne das Gesagte zunächst zu reflektieren.

Als Führungskraft geht es uns darum, unseren Mitarbeitenden eine hilfreiche Rückmeldung von außen zu ihren Handlungen, ihrem Verhalten und/oder ihren Aussagen zu geben. Wir möchten damit einen Grundstein zur Verhaltensänderung und zu persönlichem Wachstum legen, so viel zur Theorie. Aber Hand auf´s Herz: Schaffen Sie es wirklich, sachlich und wertneutral Feedback zu geben? Nehmen Sie sich im Gespräch (und auch in der Vorbereitung auf dieses) die nötige Zeit dafür? Im Umkehrschluss, hören Sie als Feedbacknehmer erst einmal nur zu, ohne sich gleich zu rechtfertigen? Werden wir nicht alle, egal ob als Feedbacknehmer oder -geber, recht rasch emotional? Fühlen wir uns nicht (aus unterschiedlichen Motiven und Erfahrungen heraus) direkt persönlich angegriffen durch die externe subjektive Beurteilung, einer externen persönlichen und aus unserer Sicht unsachlichen und ungerechtfertigten Meinung? Es sei denn, Sie gehen mit dieser subjektiven Beurteilung konform, dann werden Sie die Kritik als gerechtfertigt und konstruktiv empfinden.

So berechtigt die Kritik auch sein mag – je verletzender sie formuliert wird, je persönlicher also der „Angriff“, desto geringer ist die Bereitschaft, sie anzunehmen. Erfolgt sie allerdings sachlich und konstruktiv, sieht die Sache schon wieder anders aus. Sie alle kennen die Redewendung „Der Ton macht die Musik“ und besonders in diesem Falle ist es mehr als wahr.

Überlegen Sie selbst: Gab es nicht auch in Ihrer Historie zahlreiche Situationen, in denen es häufig die Kritik war, die Sie ein gutes Stück weitergebracht hat? Haben sie nicht selten dazu geführt, dass Sie bereichernde Wege eingeschlagen haben, die Sie sonst nicht gegangen wären bzw. überhaupt als solche erkannt hätten? Haben Sie hierdurch nicht einen klareren Blick erhalten, sind sich Ihren Stärken und Schwächen bewusster geworden? Gerade die Reflexion und der Perspektivwechsel machen es leichter, Kritik anzunehmen – vorausgesetzt, sie wird sachlich und konstruktiv kommuniziert – der Ton stimmt. Und ja, auch das klingt in der Theorie wieder einfacher als es in der Praxis ist.

Besonders als Führungskraft ist es daher entscheidend, wie wir Feedback geben und Kritik äußern. Das mag uns sachlich nicht immer sofort gelingen, wichtig ist jedoch, dass wir uns darüber im Klaren sind, wie gering der Erfolg unsere Rückmeldung sein wird, wenn wir emotional werden, oder gar (unbeabsichtigt) verletzend. Sie alle kennen auch das Sender- Empfänger-Prinzip bei allen Arten der Kommunikation. Andererseits ist es essenziell, unseren Mitarbeitenden die Sicht nahezubringen, wie hilfreich Feedback tatsächlich für die eigene Entwicklung sein kann, auch wenn dies nicht sofort greifbar sein mag. Emotionalität ist hier kein guter Ratgeber.

Mein Gedanke:

Vor Kurzem hat mir jemand gesagt, „jede Kritik sei wie ein Geschenk“ zu bewerten. Im ersten Moment fühlt sich das vielleicht etwas seltsam an aber es stimmt. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es uns, eine positive und konstruktive Einstellung gegenüber Feedback (Kritik) zu entwickeln, die sowohl persönliches als auch berufliches Wachstum fördert. Es ermöglicht uns, aus unseren Fehlern zu lernen, uns weiterzuentwickeln und letztendlich unser volles Potenzial zu entfalten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Gespräche, beim Äußern von konstruktiver Kritik, die Kraft, dabei auch die Ruhe zu bewahren und daran letztlich zu wachsen, sei es als Feedbackgeber – oder -nehmer.

Herzlichst, und ggfs. haben wir die Chance auf einen Austausch im Rahmen der Mipim kommende Woche, ich wĂĽrde mich freuen,

Ihre

Sandra GĂĽnther