„Die Termine, zu denen niemand einlädt“
06.08.2026
Vor einigen Tagen erhielt ich eine Termineinladung – eigentlich nichts Ungewöhnliches. Mein erster Impuls war, wie so oft, sofort auf „Zusagen“ zu klicken. Im nächsten Moment hielt ich inne und fragte mich: Trägt meine Teilnahme tatsächlich zu diesem Termin bei oder folge ich lediglich einer Gewohnheit, die sich über die Jahre entwickelt hat?
Diese Frage hat mich länger beschäftigt, als ich zunächst erwartet hätte.
Unsere Kalender füllen sich beinahe von selbst. Besprechungen, Abstimmungen und Projekttermine finden ihren Platz, weil sie wichtig sind – oder weil andere sie dafür halten. Vieles davon gehört selbstverständlich zu unserem Arbeitsalltag.
Dennoch frage ich mich inzwischen häufiger, welche Termine ich mir selbst in den Kalender eintragen würde, wenn ich ihn ganz bewusst nach meinen eigenen Prioritäten gestalten würde. Ich vermute, dort stünden andere Termine, nicht weil sie dringender wären, sondern weil sie im Alltag leicht verdrängt werden: Zeit, um eine wichtige Entscheidung in Ruhe zu durchdenken, ein Gespräch mit einem Mitarbeitenden ganz ohne konkreten Anlass oder eine Stunde, um Entwicklungen vorauszudenken, anstatt ausschließlich auf das zu reagieren, was der Tag gerade mit sich bringt.
Zu genau diesen Terminen lädt uns niemand ein.
Niemand reserviert regelmäßig eine Stunde für strategisches Nachdenken. Niemand blockiert Zeit, um die Entwicklung eines Teams zu reflektieren oder die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen. Und doch sind es häufig genau diese Momente, die langfristig darüber entscheiden, ob wir lediglich beschäftigt sind oder tatsächlich gestalten.
Vielleicht beginnt genau hier die Verantwortung für den eigenen Kalender. Nicht jede Einladung verlangt nach einem Ja. Manchmal entsteht Raum für das Wesentliche erst dann, wenn wir bewusst Nein sagen. Nicht aus Desinteresse, sondern weil wir wissen, wo unsere Aufmerksamkeit wirklich gebraucht wird.
Seit diesem Gedanken schaue ich anders auf meinen Kalender, nicht nur auf die Termine, die enthalten sind, sondern auch auf jene, die fehlen.
Denn unser Kalender zeigt nicht nur, womit wir unsere Zeit verbringen. Er macht auch sichtbar, wofür wir uns keine Zeit nehmen, obwohl genau dort häufig das Wesentliche beginnt.
Mein Gedanke:
Die wichtigsten Termine sind oft die, zu denen niemand einlädt. Gerade deshalb sollten wir ihnen selbst einen festen Platz in unserem Kalender geben.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen den Mut, sich bewusst Freiräume für das zu schaffen, was im Alltag oft keinen festen Platz findet – und gerade deshalb so entscheidend sein kann.
Herzlich
Ihre
Sandra Günther