Die Balance von Vertrauen und Verantwortung

04.09.2025

Die Balance von Vertrauen und Verantwortung

Erwartungen sind ein ständiger Begleiter von Führung: sichtbar in Projekten und Zielen, unausgesprochen in Haltungen und Zwischentönen. Sie kommen von allen Seiten – vom Team, von Stakeholdern, von uns selbst und gerade weil sie so vielfältig sind, wächst der Drang, es allen recht machen zu wollen.

Das führt zu einem Reflex, den viele von Ihnen sicher kennen: eingreifen, lenken, kontrollieren. Dahinter steckt der Wunsch, Erwartungen zu erfüllen und zugleich die eigenen Maßstäbe durchzusetzen. Doch dieser Weg hat seinen Preis. Zu viel Kontrolle erschöpft – und bringt selten das, was wir eigentlich suchen: Gelassenheit, Klarheit, Vertrauen.

Die amerikanische Autorin Mel Robbins fasst dieses Dilemma in zwei einfache Worte: „Let Them“ – und „Let Me“.

„Lass sie“ heißt: andere nicht ständig korrigieren oder nach den eigenen Vorstellungen formen zu wollen. Nicht jede Erwartung muss erfüllt, nicht jede Abweichung kommentiert werden. „Lass mich“ bedeutet im Gegenzug: Verantwortung zu übernehmen für das, was tatsächlich in meiner Hand liegt – meine Haltung, meine Entscheidungen, mein Umgang mit den Reaktionen anderer.

Im Kern steckt dahinter eine befreiende Haltung: Nicht alles, was an uns herangetragen wird, muss zur eigenen Aufgabe werden. Wer das versteht, verschafft sich Spielraum –für Klarheit, echte Verantwortung und wirksame Führung.

Gerade im Leadership-Kontext ist diese Haltung entscheidend. Führungskräfte bewegen sich wie kaum jemand sonst im Spannungsfeld vielfältiger Erwartungen. Wer glaubt, allen gerecht werden zu müssen, verliert sich leicht in Mikromanagement. Wer dagegen erkennt, was er loslassen kann – und wo er wirklich gefordert ist –, gewinnt Souveränität und Vertrauen.

Ich selbst habe erlebt: Wirkung entfaltet dieser Ansatz nicht in der Theorie, sondern in den kleinen Momenten des Alltags. Wenn ein Kollege anders entscheidet, als ich es getan hätte. Wenn Diskussionen hitziger werden, als mir lieb ist. Wenn Erwartungen an mich herangetragen werden, die ich nicht erfüllen muss. Statt reflexartig einzugreifen: bewusst loslassen. Und gleichzeitig bei mir bleiben – klar entscheiden, wofür ich Verantwortung übernehme. Einfach ist es nicht. Aber lohnend!

Mein Gedanke:

Führung zeigt sich in der Balance – Vertrauen geben, wo Erwartungen lähmen, und Verantwortung übernehmen, wo Klarheit zählt.

In diesem Sinne: Fragen Sie sich, welche Erwartungen Sie noch festhalten – und welche Sie getrost loslassen können. Genau darin liegt die Klarheit, die Führung stark macht.

Herzlich,

Ihre

Sandra Günther